8. Landwirtschaftsforum

Der Wert der modernen Landwirtschaft für die Gesellschaft

Nordhorn. Kurz vor Weihnachten veranstaltete die Grafschafter Volksbank das 8. Landwirtschaftsforum. Der Einladung des Bereichs Euregio Agrar in die Alte Weberei folgten fast 300 Landwirte. „Der Wert der modernen Landwirtschaft für die Gesellschaft“ lautete das Thema des Informationsabends. Jürgen Timmermann, Vorstand der Grafschafter Volksbank, begrüßte dazu den renommierten Agrarökonomen Professor Dr. Dr. h.c. Harald von Witzke von der Humboldt-Universität Berlin. Der Wissenschaftler hat sich aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit in der internationalen Agrarwirtschaft als wichtiger Ansprechpartner sowohl für die Politik als auch für die Wirtschaft etabliert.

Beim 8. Landwirtschaftsforum der Grafschafter Volksbank hielten Gastredner Professor Dr. Dr. h.c. Harald von Witzke (Mitte), Bereichsleiter Jan Schots (rechts) und Vorstand Jürgen Timmermann vielbeachtete Reden in der voll besetzten Alten Weberei Nordhorn (kleines Foto).

Einleitend bezeichnete Jürgen Timmermann die Grafschaft Bentheim als ländliche Region mit einer enormen Entwicklung und Wirtschaftskraft. An diesem „Wirtschaftswunder“ habe die Landwirtschaft maßgeblichen Anteil. Die Landwirtschaft allein in der Grafschaft Bentheim investierte in den letzten Jahren zum Beispiel jährlich rund 150 – 300 Millionen Euro in moderne Stallanlagen, bei einem jährlichen Umsatz von 450 - 500 Millionen Euro pro Jahr. Jeder vierte Grafschafter Arbeitsplatz hänge direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab, so Timmermann.

Der Druck in der Landwirtschaft sei enorm, unter anderem durch hohe Arbeitsbelastung, hohe Fremdkapitalbelastung und stark schwankende Preise. Angesichts „voller Bäuche“ gerate die eigentliche Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft zusehends aus dem Blickfeld.

Der Wert der modernen Landwirtschaft für die Gesellschaft

Gastredner Professor von Witzke nahm diese einleitenden Worte auf und stellte die Bedeutung der modernen Landwirtschaft sowohl für die Welternährung als auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel dar. Eindrucksvoll und wissenschaftlich fundiert prognostizierte er, dass sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den nächsten 50 Jahren verdoppeln werde. „Die Ressource Boden ist kaum mehr vermehrbar und die Produktivitätsfortschritte vor allem in der EU verringern sich laufend“, so der Experte.

Die Folge seien deutlich steigende Nahrungsmittelpreise. „In den Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Storch schneller als der Pflug“ beschrieb von Witzke die Entwicklung. Und weiter: „Was für die Landwirtschaft positiv ist, ist für die Sicherung der Welternährung ein Problem. So hat die Zahl der hungernden Menschen weiter zugenommen, trotz der Bemühungen der UNO, diese bis 2015 zu halbieren.“ Das Nahrungsmitteldefizit werde sich in den armen Ländern in den nächsten 30 Jahren verfünffachen, so von Witzke, “mit der Folge zunehmender politischer Instabilitäten in diesen Ländern sowie zunehmender Migration.“ Die Sicherung der Welternährung sei nur möglich, wenn auch die reichen Länder (EU) mehr produzieren. Ein weiterer Effekt steigender Nahrungsmittelpreise ist nach den Worten des Gastredners der wachsenden Anreiz zur Brandrodung, die für 18% des Klimawandels verantwortlich sei.

Aktueller Situationsbericht der Landwirtschaft in der Grafschaft Bentheim

Jan Schots, Prokurist und Bereichsleiter der Grafschafter Volksbank, gab einen aktuellen Situationsbericht der Landwirtschaft in der Grafschaft Bentheim. Schots erläuterte: Die Investitionen waren auch in 2014 mit annähernd 64 Millionen Euro sehr hoch. Vor allem im Milchviehbereich wurde stark in moderne Stallanlagen investiert. Nach einem sehr guten Jahr 2013/2014 trübe sich die Stimmung aktuell allerdings ein. In allen Bereichen sanken die Produktpreise, so dass für 2015 mit Liquiditätsproblemen in den Betrieben zu rechnen sei.

Nach Angaben von Jan Schots werden Hauptschwerpunkte für die Betriebe Investitionen im Bereich Nährstoffverbringung, Arbeitsproduktivität sowie in der Optimierung der Haltungsbedingungen sein. Hier stehe der Bereich Euregio Agrar mit seinen Ansprechpartnern vor Ort für kompetente Beratung bei Investitionen und Finanzplanung gerne zur Verfügung.

 „Moderne Landwirtschaft ist die Basis für unseren heutigen Wohlstand!

Jürgen Timmermann und Jan Schots betonten abschließend, die Familienbetriebe in der Grafschaft Bentheim seien aus Sicht der Bank gut aufgestellt. Sie könnten sich trotz ihrer verhältnismäßig kleinen Strukturen am Weltmarkt behaupten, müssten sich zukünftig aber auch entwickeln können. In jedem Fall bilde die moderne Landwirtschaft die Basis für unseren heutigen Wohlstand.