Vertreter-versammlung 2025
Die Grafschafter Volksbank blickt bei der Vertreterversammlung am 18.06.2026 auf ein solides Geschäftsjahr 2025 zurück. Trotz einer weiterhin fragilen wirtschaftlichen Lage in Deutschland und spürbarer Zurückhaltung bei Investitionen in vielen Branchen konnte die Bank ihre Bilanzsumme um sechs Prozent steigern und sowohl im Kredit- als auch im Einlagengeschäft über Plan abschließen. „Die Grafschaft ist solide aufgestellt. Mit starken Unternehmen, einer leistungsfähigen Landwirtschaft und Privatkunden, die verantwortungsvoll planen“, sagt Andreas Kinser, Vorstand der Grafschafter Volksbank. „Trotzdem spüren wir überall Zurückhaltung bei Investitionen. Die Lage ist stabil, aber ohne zusätzliche Wachstumsimpulse bleibt sie anfällig.“
Kredit- und Einlagengeschäft über Plan
Die Kundenforderungen stiegen 2025 um sieben Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelte sich das Kreditgeschäft in den Bereichen Privatkunden sowie Freie Berufe und Institutionen. Die Kundeneinlagen erhöhten sich um fünf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro und bleiben damit die wichtigste Refinanzierungsquelle der Bank. „Unser Kreditgeschäft ist gesund“, erklärt Gregor Neuhäuser, Vorstand der Grafschafter Volksbank. „Aber wir sehen, dass viele Projekte sorgfältiger geprüft und teilweise zeitlich gestreckt werden. Die Unsicherheit bleibt hoch.“ Diese Beobachtung deckt sich mit den Entwicklungen der vergangenen Jahre in der regionalen Finanzlandschaft, in der Banken immer wieder auf eine Investitionszurückhaltung hingewiesen hatten.
Ertragslage: Starkes operatives Ergebnis, Belastung durch Bewertungseffekte
Der Zinsüberschuss stieg deutlich auf 55 Millionen Euro. Auch der Provisionsüberschuss lag mit 18,3 Millionen Euro leicht über dem Vorjahr. Der Bilanzgewinn liegt bei 3,55 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis vor Bewertung erhöhte sich stark auf 26,9 Millionen Euro. Gleichzeitig belastete das Bewertungsergebnis – insbesondere im Kreditgeschäft – das Jahresergebnis. „Wir haben ein starkes operatives Fundament, daher war es uns wichtig, in diesen unsicheren konjunkturellen Zeiten entsprechende Vorsorge zu treffen.“, so Kinser. Eine Dividende von 4,25%, was einen Wert von 2,2 Millionen Euro darstellt, wurde vorgeschlagen und seitens der Vertreter beschlossen.
Eigenkapital gestärkt – solide Basis für weiteres Wachstum
Die Eigenmittel der Bank wurden 2025 weiter gestärkt – durch neue Geschäftsguthaben, Nachranganleihen und Zuführungen zu den Rücklagen. Für 2026 erwartet die Bank eine Gesamtkapitalquote von rund 15 Prozent. „Unsere Kapitalplanung ist langfristig ausgelegt“, so Neuhäuser. „Wir bleiben jederzeit handlungsfähig, auch in einem Umfeld steigender Risikovorsorge.“
Omnikanalservice und Weiterentwicklung der Beratungswelten
Parallel zu den Investitionen in Mitarbeitende und Infrastruktur treibt die Grafschafter Volksbank die Weiterentwicklung ihres MitgliederService voran. Ziel ist ein Service, der persönliche Beratung, digitale Zugangswege und marktnahe Dienstleistungen so miteinander verbindet, dass Mitglieder unabhängig vom Kanal ein einheitliches, personalisiertes Erlebnis erhalten. „Service verändert sich –und wir gestalten diesen Wandel aktiv“, betont Neuhäuser. Im Zuge dieser strategischen Ausrichtung werden Beratungswelten in den kommenden Jahren schrittweise zusammengeführt. Den Anfang macht die Bündelung der Standorte Brandlecht und Blanke am Standort Blanke. Später folgt die Zusammenlegung der Beratungswelten Veldhausen und Neuenhaus am Standort Neuenhaus. Abschließend werden die Standorte Gildehaus und Bad Bentheim in Bad Bentheim vereint. Mit diesen Anpassungen reagiert die Bank auf veränderte Kundenbedürfnisse und ein zunehmend digitales Nutzungsverhalten. Gleichzeitig entsteht ein klar strukturiertes Standortnetz, das persönliche Beratung dort stärkt, wo sie am meisten nachgefragt wird. „Wir wollen unseren Mitgliedern einen Service bieten, der einfach, erreichbar und verlässlich ist. Egal, ob sie uns persönlich, telefonisch oder digital kontaktieren“, macht Neuhäuser deutlich.
Klare Worte zur politischen Lage
Andreas Kinser nimmt in seiner Rede auch Bezug auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: „Ein Jahr neue Bundesregierung – die Erwartungen waren hoch, die Ernüchterung ist spürbar. Statt Entlastung erleben wir weiter zunehmende Bürokratie. Das schränkt unternehmerische Spielräume ein und bremst Investitionen. Wir sehen täglich, was das für Unternehmen, Landwirte und Selbstständige in der Grafschaft bedeutet.“ Damit knüpft die Bank an ein Thema an, das auch in den vergangenen Jahren in der regionalen Berichterstattung immer wieder auftauchte: Bürokratie als Wachstumshemmnis.
Wahlen zum Aufsichtsrat
Im Rahmen der turnusmäßigen Wahlen bestätigte die Vertreterversammlung zwei Mitglieder einstimmig in ihren Ämtern. Hartmut Lönink, Landwirtschaftsmeister aus Nordhorn und seit 2022 Mitglied des Aufsichtsrates, sowie Ludger Ennen, vereidigter Buchprüfer und Steuerberater, der dem Gremium seit 2005 angehört und seit 2015 dessen Vorsitzender ist, wurden für weitere vier Jahre wiedergewählt. Die Wiederwahl erfolgte ohne Gegenstimmen – ein deutliches Zeichen für Kontinuität und Vertrauen innerhalb des Gremiums. Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Britta Friemann gratuliert beiden Wiedergewählten im Namen des gesamten Gremiums: „Die erneute Bestätigung zeigt, wie sehr die Mitglieder die fachliche Kompetenz und die verlässliche Arbeit von Herrn Lönink und Herrn Ennen schätzen. Kontinuität im Aufsichtsrat stärkt die Stabilität der Bank und beide stehen genau dafür.“
Ausblick: Positive Prognose trotz Unsicherheiten
Der Blick nach vorn fällt zuversichtlich aus: Die Bank erwartet für 2026 einen weiter wachsenden Zinsüberschuss und ein deutlich höheres Betriebsergebnis vor Bewertung. Parallel dazu werden Personal- und Sachaufwendungen steigen – ein Effekt aus Tarifabschlüssen, Neueinstellungen und fortlaufenden Modernisierungen. Die Liquiditäts- und Kapitalbasis bleibt stabil, und auch im Kreditund Einlagengeschäft rechnet die Bank mit einer verlässlichen Entwicklung. Kinser bringt es auf den Punkt: „Wir bleiben die Möglichmacher der Grafschaft – mit Haltung, mit Investitionsmut und mit einem klaren Blick auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder.“
(Nordhorn, 19.06.2026)